Die heutige „Story zum Foto“ erzählt Dir Gerhard Bonse. Ist eines Deiner Fotos unter besonderen Bedingungen entstanden? Sind bei einem Shooting ungewöhnliche Dinge passiert? Ist Dir nach unzähligen Versuchen endlich „das” Bild Deiner Träume gelungen? Oder hast Du für Dein Foto eine spezielle Technik verwendet, die nicht alltäglich ist? Schreibe uns gerne über dieses Kontaktformular – wir melden uns bei Dir und stellen die Geschichten hier im Blog vor.

Gerhard Bonse
Mit Wohnung wohnungslos von Gerhard Bonse. Elvis (66) bekennt sich zu seinem Leben auf der Straße.

Leben unter der Rheinbrücke

Früher hat er mal auf dem Bau gearbeitet. 2006 ist er in Köln „gestrandet“, hat sich seine Wohnung unter einer Rheinbrücke eingerichtet und will hier nicht mehr weg.

Seine Möbel hat er sich sorgfältig auf dem Sperrmüll ausgesucht und mit Kumpels unter die Brücke transportiert. „Ich würde mein Domizil gegen nichts auf der Welt eintauschen“.

Bekannt wie ein bunter Hund

Elvis ist Philosoph, Psychologe und Lebenskünstler. Er beobachtet gerne Leute und ist in Köln bekannt wie ein bunter Hund. Sogar in einem Musikvideo der Höhner („Wenn nicht jetzt, wann dann ?….“) hat er einmal mitgewirkt.

Sonntags bleibt er stets zu Hause, damit seine Wohnung nicht von „kleinen“ Besuchern des nahen Kölner Zoos als Spielplatz benutzt wird.

2 Comments:
19. Oktober 2022

Es gibt Leute wie Elvis, die das auf der Straße leben dem Leben in einer Wohnung vorziehen. Für die übergroße Zahl der Obdachlosen dürfte das aber keine Frage des „Lebensstils“ darstellen, sondern einer immer rauher und bitterer werdenden sozialen Realität geschuldet sein. Gerade wegen dieser Umstände bin ich beim Anblick solcher Fotografien immer hin und her gerissen. Natürlich: man soll auch den auf der Straße lebenden Menschen den schuldigen Respekt erweisen, aber man soll sich auch dafür hüten, einen solchen sozialen Skandal (das nämlich die meisten Menschen aus ganz konkreten Gründen auf die Straße getrieben werden ) nicht auch noch semantisch „überhöhen“, indem man diese Not als „freie Entscheidung“ ummantelt.

19. Dezember 2022

Da bin ich völlig bei Dir. Auch kenne ich Leute, die das hinter sich haben und vom bekanntermaßen breiten Fächer von Gründen, Verläufen, Mißerfolgen, Krankheiten, Hilflosigkeit, gefährlichem Leben und hier und da doch Erfolgen Einzelner aus dem gesamten Obdachlosenbereich aus eigenem Erleben berichteten. Nicht zuletzt trug auch die ZDF-Doku „Armes reiches Deutschland“ dazu bei, Uneingeweihte etwas besser über die Misere zu informieren. Es bleibt ein Skandal für ein im Grunde reiches Land wie die BRD, dass überhaupt jemand ohne Wohnung bleiben muss. Wer es dennoch will und sich nicht schicksalsergeben einredet, dass er sowas – gerade im Nicht-Sommer – will, dem sei es gegönnt. Genaue Zahlen über diese Not sind nach wie vor nicht bekannt, lediglich Schätzungen der Wohlfahrtsverbände, und die Regierung „korrigiert“ das in offiziellen Verlautbarungen gern nochmal nach unten.
Ich gehe aber davon aus, dass der Autor, der so erstaunliche Portraits auch von der Straße in seinem Portfolio hat, durchaus die Kehrseite der Medaille kennt. Zur Ausgewogenheit bräuchte es – nicht zwingend vom selben Autor – dann noch eine Story zum überwiegenden Elend beim Thema Wohnungs- oder Obdachlosigkeit, denn die Tendenz ist steigend seit der sog. Flüchtlingskrise und wird es erst recht bleiben bei der hausgemachten Inflation und Energiekrise.

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