Foto: DIAL
Die nachfolgenden Anpassungen gelten für Uploads in die fotocommunity ab dem 10.02.2026 und betreffen in ihrer konkreten Ausgestaltung vor allem den Aktbereich. Die dahinterstehenden Prinzipien zur Bildwirkung und zur Darstellung von Personen gelten jedoch für die gesamte fotocommunity – unabhängig von Genre oder Entstehungsart.
Kurzfassung vorab
Wir haben die Richtlinien für den Aktbereich überarbeitet, um ihn klarer zu strukturieren und stärker auf die fotografische Auseinandersetzung mit dem Thema Akt auszurichten. Künftig soll der Fokus stärker auf Fotos liegen, deren Wirkung aus Gestaltung, Bildaufbau und Kontext entsteht. Maßgeblich für die Bewertung ist dabei die Bildwirkung, nicht die beabsichtigte Aussage. Ziel der Anpassung ist es außerdem, vergleichbare Bildwirkungen möglichst einheitlich einzuordnen, den Aktbereich deutlicher von rein darstellerischen oder erotischen Inhalten abzugrenzen und einen respektvollen Umgang in Bild und Kommentar zu fördern. Die neuen Regeln gelten ab dem 10.02.2026 für zukünftige Uploads und nicht rückwirkend.
Warum wir die Richtlinien anpassen
In den vergangenen Monaten haben wir uns intensiv damit beschäftigt, wie Aktfotografie in der fotocommunity klar, nachvollziehbar und zukunftsfähig bewertet werden kann. Uns war dabei wichtig, den Aktbereich inhaltlich zu schärfen und ihn wieder stärker auf das auszurichten, was ihn im Kern ausmacht: einen respektvollen, fotografischen Umgang mit dem Thema Akt.
Stärkerer Fokus auf den Aspekt Fotografie
Künftig möchten wir den Fokus deutlicher auf Fotos legen, die den menschlichen Körper als Motiv zeigen – ruhig, zurückhaltend und getragen von fotografischer Gestaltung. Licht, Posing, Linien, Komposition und Präsenz stehen für uns dabei im Vordergrund.
Nacktheit ist selbstverständlich weiterhin möglich, sie ist jedoch kein Selbstzweck, sondern Teil einer bewussten Fotografie mit Bildaussage.
Gleichbehandlung aller Geschlechter
Ein zentraler Punkt dieser Anpassung ist für uns die konsequente Gleichbehandlung aller Geschlechter. Diese ist notwendig, weil sich männliche und weibliche Geschlechtsorgane anatomisch unterschiedlich zeigen und dadurch im Bild unterschiedlich wahrgenommen werden. Während weibliche Geschlechtsorgane häufig verdeckt sind und erst durch bestimmte Posen oder Bildausschnitte sichtbar werden, liegen männliche Geschlechtsorgane anatomisch außen und sind bei Nacktheit schneller erkennbar.
In der Vergangenheit hat diese unterschiedliche Sichtbarkeit dazu geführt, dass vergleichbare Bildwirkungen unterschiedlich bewertet wurden. Sichtbare Intimbereiche bei weiblichen Modellen wurden häufig strenger eingeordnet als entsprechende Darstellungen männlicher Modelle. Diese unterschiedlichen Maßstäbe haben zu berechtigtem Unverständnis geführt.
Mit den neuen Richtlinien möchten wir diese Unterschiede bewusst auflösen. Maßgeblich ist künftig nicht mehr die anatomische Gegebenheit oder das dargestellte Geschlecht, sondern die Bildwirkung. Entscheidend ist, ob der Intimbereich die Bildwirkung prägt, der Eindruck einer Präsentation entsteht oder die Wirkung primär über sexuelle Reize erzeugt wird – unabhängig davon, ob es sich um männliche oder weibliche Darstellungen handelt. Dabei geht es nicht um strengere Regeln für ein Geschlecht, sondern um einheitliche Maßstäbe für vergleichbare Bildwirkungen.
Abbilden von Nacktheit und fotografische Interpretation
Im Zuge der Überarbeitung ist uns ein weiterer Punkt wichtig geworden: die Unterscheidung zwischen dem bloßen Abbilden von Nacktheit und einer fotografischen Interpretation des Körpers.
Der Aktbereich ist als Raum für Fotografie gedacht. Erwartet werden Bilder, bei denen sich eine bewusste fotografische Auseinandersetzung erkennen lässt und deren Wirkung aus Gestaltung, Bildaufbau, Licht, Perspektive oder Kontext entsteht. In den vergangenen Jahren haben sich vermehrt Bilder etabliert, bei denen der nackte Körper ohne erkennbare fotografische Auseinandersetzung gezeigt wird.
Dies betrifft sowohl Formen der Selbstpräsentation als auch Aufnahmen, in denen Nacktheit anderer Personen ohne erkennbare gestalterische oder inhaltliche Setzung dargestellt ist. In solchen Fällen entsteht die Bildwirkung vor allem durch das Dargestellte selbst, während gestalterische Entscheidungen in den Hintergrund treten. Der Körper wird gezeigt, ohne dass er im fotografischen Sinne interpretiert oder in einen gestalterischen Zusammenhang eingebettet ist.
Grenzen der Personendarstellung
Ergänzend möchten wir erläutern, was wir mit Bildwirkungen meinen, die als distanzlos, sexistisch oder objektifizierend empfunden werden können. Uns ist bewusst: In der klassischen Aktfotografie ist der Körper selbstverständlich Gegenstand der Betrachtung. Er ist Motiv, Form, Gestaltungselement und Träger von Licht, Linie und Spannung. Allein die Konzentration auf den Körper bedeutet daher noch keine Objektifizierung.
Problematisch wird es aus unserer Sicht erst dann, wenn eine Person im Bild fast ausschließlich über ihre sexuelle Reizwirkung definiert wird und kein erkennbarer gestalterischer, inhaltlicher oder künstlerischer Zusammenhang darüber hinausgeht. In einer klassischen Aktaufnahme ist der Körper zwar zentrales Motiv, aber eingebunden in eine bewusste Bildidee – etwa durch Komposition, Lichtführung, Haltung, Raumbezug oder eine formale Auseinandersetzung mit Linien und Flächen.
Von einer objektifizierenden Darstellung sprechen wir hingegen dann, wenn der Mensch in der Gesamtwirkung austauschbar erscheint und primär als reizbetontes Objekt inszeniert wird, ohne dass eine darüber hinausgehende fotografische Auseinandersetzung erkennbar ist.
Solche Bildwirkungen entsprechen nicht unserem Anspruch an eine respektvolle und zeitgemäße Darstellung von Personen in der fotocommunity – unabhängig davon, ob es sich um Fotografien oder KI-Bilder handelt. Entscheidend ist immer die Gesamtwirkung des Bildes, nicht allein die Nacktheit oder die Tatsache, dass der Körper im Mittelpunkt steht.
Was das konkret bedeutet
Aktfotografie ist weiterhin ausdrücklich willkommen. Der menschliche Körper darf im Mittelpunkt stehen – als Form, als Ausdruck und als Teil einer bewussten Bildgestaltung mit Licht, Linie, Raum und Komposition.
Nicht zulässig sind jedoch Darstellungen, bei denen einzelne Körperbereiche oder körperliche Reize die Bildwirkung so stark dominieren, dass der Mensch in der Gesamtwirkung primär als reizbetontes Objekt erscheint. Wenn die Darstellung überwiegend auf körperliche Attraktivität oder sexuelle Wirkung ausgerichtet ist und keine darüber hinausgehende gestalterische Idee oder erkennbare Bildaussage trägt, entspricht dies nicht der Ausrichtung des Aktbereichs.
Eine hilfreiche Leitfrage kann dabei sein:
Trägt das Bild durch seine Gestaltung, durch Lichtführung, Perspektive und Bildaufbau – oder lebt es hauptsächlich von der Betonung körperlicher Reize?
Wenn das Foto auch unabhängig von einer starken Reizbetonung wirkt und als bewusste fotografische Auseinandersetzung erkennbar ist, bewegt es sich im vorgesehenen Rahmen. Wenn hingegen die körperliche Wirkung alles andere überlagert und der Mensch vor allem als Körper präsentiert wird, kann der Eindruck einer objektifizierenden Darstellung entstehen.
Inhaltliche Verschiebung innerhalb der Kategorie Akt
Mit dieser Neuausrichtung geht auch eine bewusste inhaltliche Verschiebung einher. Bilder, die stark auf erotische Reizwirkung, szenetypische Darstellungen oder thematische Spezialformen setzen, werden künftig weniger prägend für den Aktbereich sein. Dies bedeutet keine Abwertung dieser Inhalte.
Für solche Fotos steht der Bereich „Erotik, Dessous, Szene & Themen“ offen, wo sie weiterhin ihren Platz haben – jedoch nicht mehr den Schwerpunkt der Kategorie Akt bilden. Gleichzeitig soll die Anpassung dazu beitragen, dass der Aktbereich auch künftig ein gemeinsamer Raum bleibt, in dem unterschiedliche Generationen, Sichtweisen und fotografische Ansätze nebeneinander bestehen und miteinander in Austausch kommen können.
Zum Umgang mit Kommentaren bei Aktfotos
Im Zuge dieser Anpassung möchten wir auch auf das Kommentarverhalten im Aktbereich hinweisen. Aktfotografie zeigt Menschen und Körper – entsprechend sensibel sollte auch der Umgang miteinander sein.
Kommentare, die Modelle oder deren Körper bewerten, sexualisieren oder in distanzloser Weise kommentieren, entsprechen nicht den Gemeinschaftsstandards der fotocommunity und werden entfernt. Dazu zählen insbesondere Aussagen, die den Körper oder einzelne Körpermerkmale beurteilen oder herabwürdigend kommentieren.
Grundlage hierfür sind unsere Gemeinschaftsstandards:
https://www.fotocommunity.de/standards
„Geh respektvoll mit Deinem Gegenüber um.
Beiträge und Kommentare, die ein Mitglied, ein Foto oder eine auf einem Foto abgebildete Person angreifen, herabwürdigen oder mit einem sexistischen und distanzlosen Ansatz kommentieren, sind nicht erwünscht.“
Wir möchten, dass der Aktbereich ein Ort ist, an dem Bilder respektvoll betrachtet und besprochen werden können – mit Fokus auf Fotografie, Bildwirkung und Gestaltung.
Geltung der neuen Richtlinien
Die neuen Richtlinien gelten ab 10.02.2026 für zukünftige Uploads. Eine rückwirkende Neubewertung bereits veröffentlichter Bilder wird es nicht geben. Uns ist bewusst, dass diese Übergangsphase vereinzelt als widersprüchlich wahrgenommen werden kann.
Fragen, die helfen können, Fotos und KI-Bilder im Kontext der Richtlinien einzuordnen
Die folgenden Fragen sind keine Checkliste im strengen Sinn. Sie sollen dabei helfen, die eigene Bildwirkung einzuschätzen – unabhängig davon, ob es sich um Fotografie oder KI-generierte Bilder handelt.
Zur Bildidee
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Zeigt mein Foto / Bild mehr als nur Nacktheit?
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Gibt es eine erkennbare Idee, Stimmung oder Situation, die über das bloße Zeigen des Körpers hinausgeht?
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Würde ich das Foto / Bild auch interessant finden, wenn weniger Haut zu sehen wäre?
Zur Wirkung des Bildes
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Wirkt das Foto / Bild eher ruhig und zurückhaltend – oder direkt und präsentierend?
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Entsteht die Wirkung durch Licht, Bildaufbau, Perspektive oder Kontext?
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Oder funktioniert das Foto / Bild hauptsächlich dadurch, dass ein nackter Körper gezeigt wird?
Zur dargestellten Person
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Wird die Person im Foto / Bild als Mensch wahrgenommen – mit Ausdruck, Präsenz oder Beziehung zur Umgebung?
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Oder bleibt vor allem der Körper im Vordergrund?
-
Würde ich beim Beschreiben des Fotos / Bildes eher von „einem Menschen“ sprechen oder von „einem nackten Körper“?
Zu Nähe und Distanz
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Lädt das Foto / Bild zum Betrachten und Nachdenken ein?
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Oder fühlt es sich eher wie eine direkte Präsentation „für den Blick“ an?
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Entsteht ein respektvoller Abstand – oder wirkt das Bild distanzlos?
Zu Respekt und Objektifizierung
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Wird der Mensch im Foto / Bild ernst genommen – oder auf körperliche Wirkung reduziert?
Wiederholt es bekannte, stark sexualisierte Muster?
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Könnte das Foto / Bild als herabwürdigend, einseitig oder klischeehaft wahrgenommen werden?
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Würde ich diese Darstellung unabhängig vom Geschlecht der dargestellten Person als angemessen empfinden?
Speziell für KI-generierte Bilder
-
Wirkt das Bild wie eine bewusste Bildidee oder eher wie eine generische Darstellung eines Körpers?
-
Würde ich dieses Bild auch dann passend finden, wenn es fotografisch entstanden wäre?
Eine hilfreiche Leitfrage zum Schluss
Zeigt mein Foto / Bild Nacktheit – oder erzählt es etwas mithilfe des nackten Körpers?
Wenn ein Foto / Bild vor allem zeigt, ohne zu interpretieren, einzuordnen oder zu gestalten, passt es meist weniger gut zur aktuellen Ausrichtung des Aktbereichs.



Hallo, bin grad zurück aus einem längeren Australienaufenthalt und lese gerade eure neuen Bestimmungen bezgl. Aktchannel. Ich bin froh darüber, dass ihr nun endlich zu mehr Reflexion über die eigene Akt-Kunstfotografie auffordert. In den letzten Jahren war dieser Channel auch (!) ein Tummelplatz für narzisstische Selbstdarsteller und solchen „Fotografen“, die glauben, jedes abgeknipste Geschlechtsorgan wäre schon ein gelungenes Aktfoto, das veröffentlicht werden sollte. Ich glaube auch nicht denjenigen, die jetzt angeblich nicht mehr den Unterschied zwischen Akt- und billigem Sexfoto verstehen können; zumindest kann man sich ja bemühen, den Unterschied annäherungsweise zu verstehen, auch wenn es keine absolut unumstößliche Kriterien für diese Unterscheidung geben sollte. Ich selber bin aber überzeugt, dass es auch objektive Kriterien geben muss, denn ansonsten wäre jedes Foto gleich zu bewerten und wir könnten uns von dem Anspruch verabschieden, künstlerische Fotografien zu machen. Natürlich kann man nicht einfach selber bestimmen, ob die eigene Fotografie künstlerisch gestaltet wurde oder nicht, dazu braucht es eben auch den Betrachter von außen, aber den informierten Betrachter, einen Betrachter also, der sich damit auseinandersetzt, was ein künstlerische Bild ausmacht und sich in dieser Frage nicht einfach hilflos oder verunsichert oder „everything goes“ darstellt- diese Leute erinnern mich fatal an diejenigen, die angeblich im genderorientierten Sprachraum nicht mehr wissen, wie man Menschen ansprechen sollte…
Es ist ja auch nur ein erster Versuch, anzuregen, sich mit künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen- was soll daran falsch sein oder gar meinungsdiktatorisch?
Glückwunsch zu eurer mutigen Entscheidung und herzlichen Gruß
Hallo zusammen,
um mal ein wenig über den nunmehr noch strenger administrierten Aktbereich hinauszuschauen: Warum wurde denn im selben Zuge mit den neuen Richtlinien die Sektion der Erotikfotos insofern eingeschränkt, als das die dort bisher vorhanden Untersektionen (Indoor, Outdoor, Studio etc.) nicht mehr für den Upload zur Verfügung stehen? Alles, was nicht „edler Akt“ ist oder was man darunter verstehen soll, wird jetzt nur in eine einzelne „Schublade“ (um nicht das böse Wort „Schmuddelecke“ zu verwenden) namens Erotikfotos gepresst Dort findet sich jetzt nur noch ein wildes Sammelsurium an unsortierten Fotos. Grad die Sektionierung war doch einer Vorteile der FC, warum sind diese Unter-Sektionen der Erotikfotos nunmehr entfallen?
Hallo,
danke für Deine Wortmeldung. In der Sektion „Erotik, Dessous, Szene, Themen“ sind alle Untersektionen für den Upload geöffnet:
https://www.fotocommunity.de/akt/erotik-dessous-szene-themen/21772
Bitte schau nochmal genauer hin.
Liebe Grüße
Lars
Hallo Lars,
das ist leider nicht so bzw. Du hast vielleicht meine Frage falsch verstanden. In der Sektion Erotik-Dessous-Szene-Themen sind all die genannten Untersektion geöffnet, aber es handelt sich ja dort um eher spezielle Themen bzw. Motive. Mir ging es dort um die Sektion Erotikfotos, darunter befanden sich früher die Sektion Indoor, Outdoor, Paare, Gruppen etc. . In all diese Sektionen konnten nur bis zum 4… 5 … 6. Februar Fotos hochgeladen werden.
Grad die Sektion „Erotikfotos“ war immer ein wesentlicher Channel der FC und die weitere Sortierung darunter ein wichtiges und entscheidendes Ordnungskriterium. Diese Unterscheidung in die früheren Sektionen unterhalb der „Erotikfotos“ fehlt seit Anfang Februar sehr, wie man seitdem an dem „Sammelsurium“ unter Erotikfotos feststellen kann, die gesamte Sektion „Erotikfotos“ kommt jetzt total unaufgeräumt daher.
Warum wurden die Sektionen unterhalb der „Erotikfotos“ geschlossen?
Danke für die Klarstellung – jetzt verstehe ich besser, worauf Du hinauswillst.
Die frühere Unterteilung innerhalb der Sektion „Erotikfotos“ (z. B. Indoor, Outdoor, Paare, Gruppen usw.) hat den Fokus vor allem auf Aufnahmeort oder Konstellation gelegt, weniger auf die eigentliche Bildwirkung oder Aussage.
Der Hintergrund der Änderung liegt in der grundsätzlichen Neuausrichtung der Kategorie Akt. Wir haben die Struktur bewusst vereinfacht, um den Fokus stärker auf die Bildwirkung und weniger auf rein formale oder situationsbezogene Kategorien zu legen. Gleichzeitig sollten Überschneidungen und Unklarheiten zwischen sehr ähnlichen Untersektionen reduziert werden.
Ein weiterer Punkt ist, dass viele dieser Unterkategorien in der Praxis oft unscharf genutzt wurden – Bilder ließen sich nicht eindeutig zuordnen oder wurden sehr unterschiedlich einsortiert. Das hat langfristig eher zu Inkonsistenz als zu Klarheit geführt.
Perspektivisch werden wir im Akt-Bereich und auch in anderen Kategorien Vereinfachungen im Sektionsgerüst vornehmen.
Aktuell beobachten wir, wie sich die Nutzung unter der neuen Struktur entwickelt, und nehmen Rückmeldungen wie Deine dabei mit auf.
Viele Grüße
Lars
Ich verstehe den Wunsch nach Qualität und einem klaren Profil im Aktbereich. Reflexion über Bildidee, Kontext und Wirkung kann sinnvoll sein.
Was ich jedoch grundsätzlich infrage stelle, ist die zunehmende Institutionalisierung dieser Reflexion in Form verbindlicher Beurteilungskriterien. Sobald ein Foto sich rechtfertigen muss, indem es „mehr“ leistet als Nacktheit, verschiebt sich der Maßstab: Weg von künstlerischer Freiheit – hin zu normativer Erwartung.
Wer legt fest, wann ein Bild „genug erzählt“?
Wer definiert verbindlich, wann eine Darstellung respektvoll ist – und wann sie angeblich nur „zeigt“?
Solche Bewertungen sind keine objektiven Qualitätskriterien, sondern Interpretationen. Wenn diese Interpretationen durch ein Gremium zur Entscheidungsgrundlage werden, entsteht zwangsläufig eine Deutungshoheit. Und Deutungshoheit ist immer auch eine Form von Regulierung.
Ich halte es für problematisch, wenn Fotografien nach einem impliziten Ideal bewertet werden: Sie sollen kontextualisieren, reflektieren, einordnen, Distanz wahren, gesellschaftlich anschlussfähig sein. Das ist ein legitimer Stil – aber nicht der einzige. Kunst darf auch direkt sein. Sie darf körperlich sein. Sie darf irritieren. Sie darf sich der Einordnung entziehen.
Gerade im Bereich Aktfotografie wird schnell moralisch argumentiert – mit Begriffen wie Objektifizierung oder Reduktion. Doch auch das sind Perspektiven, keine absoluten Wahrheiten. Wenn solche Begriffe faktisch zum Filter werden, entsteht keine offene Auseinandersetzung mehr, sondern eine Vorauswahl dessen, was als „angemessen“ gilt.
Natürlich hat jede Plattform das Recht, Regeln aufzustellen. Aber ich sehe eine Grenze dort, wo aus kuratorischer Auswahl eine inhaltliche Vorprüfung mit normativem Anspruch wird. Kunst verliert an Freiheit, wenn sie sich vorab in ein Bewertungsraster einpassen muss.
Aus diesem Grund werde ich die Plattform verlassen. Nicht aus persönlicher Kränkung, sondern weil mir die zunehmende Regulierung und Bewertung von Darstellungsformen zu weit geht.
Für mein Verständnis von künstlerischer Arbeit braucht es Vertrauen in die Mündigkeit der Betrachtenden – nicht ein Gremium, das festlegt, was „mehr als Nacktheit“ ist.
Für mich bleibt die zentrale Frage:
Muss Kunst sich erklären – oder darf sie einfach existieren?
Zwei Zitate von Thomas:
„Solche Bewertungen sind keine objektiven Qualitätskriterien, sondern Interpretationen. Wenn diese Interpretationen durch ein Gremium zur Entscheidungsgrundlage werden, entsteht zwangsläufig eine Deutungshoheit. Und Deutungshoheit ist immer auch eine Form von Regulierung.“
„Natürlich hat jede Plattform das Recht, Regeln aufzustellen. Aber ich sehe eine Grenze dort, wo aus kuratorischer Auswahl eine inhaltliche Vorprüfung mit normativem Anspruch wird. Kunst verliert an Freiheit, wenn sie sich vorab in ein Bewertungsraster einpassen muss.“
Und genau diese von Thomas beschriebenen normativen Vorprüfungen und Interpretation durch Einzelne oder ein Gremium beginnen ja schon viel früher, wenn Fotos aus dem Bereich der Porträts quasi nach Gutsherrenart in den Akt- oder Erotikbereich verschoben werden. Leider greift die Einflussnahme und Administration bereits – unerwähnt – schon vor der Änderung der Richtlinien im Aktchannel in weitere Bereich der FC ein. Klar, jede Plattform braucht Regeln, aber von Regeln über Regulierung bis zur Zensur ist oftmals ein kurzer und – im Sinne der Kunstfreiheit – gefährlicher Weg.
Ich bin hierauf gestoßen, weil sich ein Bekannter hier von mir (zumindest auf dieser Plattform) verabschiedet hat. Er sei im Gegensatz zu dem, was hier steht (nicht rückwirkend), aufgefordert worden, einige seiner Bilder zu löschen. Sein Spezialgebiet ist Wetlook.
Ich selber sehe hier – wie offenbar einige andere auch – dass die Richtlinien sich weniger nach dem richten, was objektiv zu sehen ist und auch nicht nach der vom Fotograf gewünschten Aussage richten (was ich sogar nachvollziehen kann), sondern danach, was Betrachter hineininterpretieren (könnten). Dazu kann ich sagen, dass ich durchaus auch Phantasie habe und mir nicht nehmen lasse, auf die Bilder, die sich hier IM Artikel befinden, Bezug zu nehmen. Da wäre einmal das Bild von Medusa, wo eine Frau sehr unterwürfig (das soll hier das Stichwort sein) kniet. Kaum weniger verstören wirkt für mich Ivans nackte Frau, die mit Blick nach unten in einem kahlen Raum neben einer Tür steht. Ich möchte diese Bilder und deren künstlerische Aussage weder bewerten und schon gar nicht deren Daseinsberechtigung in der fc anzweifeln, aber ich erlaube mir kundzutun, dass Fotos, die einfach „nur“ ästhetisch sein sollen (und es auch sind) für mich mindestens gleichwertig sind. Mich irritierte da die Frage, ob ein Foto nur durch Nacktheit wirkt. Was ist denn, wenn die Antwort ein deutliches „JA“ ist? Bei vielen meiner Bilder ist das so. Werden solche nicht mehr gewünscht, dann entfällt in Zukunft, dass ich mich in jedem Winter für eine kurze Zeit kostenpflichtig anmelde, um Fotos auszustellen und andere anzusehen.
Hi,
Die neuen Richtlinien gelten seit dem 10.02.2026 und beziehen sich auf alle Fotos und KI-Bilder, die ab diesem Datum hochgeladen werden. Sie gelten nicht rückwirkend. Das schließt aber nicht aus, dass auch schon vor diesem Datum Bilder entfernt wurden, wenn sie gegen die jeweils gültigen Regeln verstoßen haben. Gerade der Bereich „Wetlook“ wurde in der Vergangenheit teilweise sehr weit ausgelegt. Dabei wurden Motive eingestellt, die bereits nach der damaligen Linie außerhalb des zulässigen Rahmens lagen. Gleiches galt und gilt für bestimmte Fetischdarstellungen im Zusammenhang mit Inkontinenz, Windeln oder Be- bzw. Verschmutzungsszenarien.
Zu Deinem eigentlichen Punkt: Es geht uns nicht darum, welche Interpretation sich irgendjemand theoretisch ausdenken könnte. Entscheidend ist die unmittelbare Bildwirkung – also das, was das Foto konkret zeigt und transportiert. Maßgeblich ist nicht die beabsichtigte Aussage, sondern die tatsächliche Wirkung des Bildes.
Wenn – wie Du schreibst – bei vielen Deiner Arbeiten die ehrliche Antwort auf die Frage „Wirkt das Foto vor allem durch Nacktheit?“ ein klares Ja ist, dann berührt das genau den Kern der Neuausrichtung. Wenn die Bildwirkung im Wesentlichen aus dem Nackt-Sein entsteht und weniger aus einer erkennbaren fotografischen Gestaltung oder einem inhaltlichen Kontext, dann deckt sich das künftig nicht mit dem Schwerpunkt, den wir im Aktbereich setzen möchten.
Vielleicht kann man die aktualisierten Richtlinien auch als Impuls verstehen, Nacktheit nicht nur zu zeigen, sondern sie stärker fotografisch zu gestalten, zu interpretieren oder in einen bewussten Zusammenhang zu stellen.
Das bedeutet nicht, dass solche Bilder „schlechter“ sind oder keine Berechtigung hätten. Es bedeutet lediglich, dass wir den Rahmen enger definieren – auch vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen und vieler Rückmeldungen aus der Community. Der Anspruch der fotocommunity ist es, Akt als fotografische Auseinandersetzung zu verstehen – nicht als reine Dokumentation von Nacktheit.
Wenn jemand für sich entscheidet, dass dieser Rahmen nicht mehr zur eigenen Ausrichtung passt, ist das natürlich schade, aber letztlich eine persönliche Entscheidung. Unser Ziel ist nicht, Kreativität einzuschränken, sondern einen klaren gemeinsamen Rahmen zu schaffen, in dem sich fotografisch interessierte Menschen auch in Zukunft wohlfühlen können.
Viele Grüße
Lars
Vielen Dank, das ist schon einmal eine sehr klare Aussage. Ich nehme an, dass den Verantwortlichen zunächst einmal bewusst ist, dass Aktfotos ungleich mehr Beachtung finden als Fotos mit bekleideten Fotomodellen. Natürlich könnte man sich jetzt selbst belügen und behaupten, dass die größere Aufmerksamkeit nicht etwa an der Nacktheit liegt, sondern daran, dass ein Fotograf, der sowohl das eine als auch das andere hier in der fc ausstellt, einfach mehr Mühe in die Aktfotos steckt als in Portrait- oder Fashion-Fotos. 🙂 Ich denke, wir wissen alle, dass das nicht stimmt. Es bleibt also dabei, dass man nun über „fotografische Gestaltung“ sinnieren muss. Ich weiß natürlich sehr genau, „gegen“ welche Bilder sich die neuen Richtlinien hauptsächlich richten – auch wenn das praktisch kaum beschreibbar ist. Nennen wir diese Bilder „Schnappschüsse“ wo vielleicht ein Titel wie „Mittagssonne am FKK-Strand“ passt? Genügt es dann, ein Fotomodell an einem „lost place“ mit Schlagschatten abzulichten, um Gestaltung nachzuweisen? Oder ist es wichtig, dass der Schlagschatten verschwindet? Genügt es, eine vielleicht nicht vorhandene Bildaussage mit perfekter Lichtsetzung in einem Fotostudio auszugleichen? Ist das ausgelutschte Motiv von der Seilschaft aus Modellbahnfiguren, die im Zangenlicht eine nackte weibliche Brust besteigt, daduch, dass die Brust nackt ist – ja sogar nackt sein muss, weniger Wert als die 1000ste Blaumeise, die auf einem Ast sitzt?
Mir ist das alles unklar. Ich bin schon lange hier und habe meinen Spaß gehabt. Ich möchte gerne weiter hier sein – aber auch nicht um jeden Preis.
Ich weiß auch, dass es hier die These gibt, dass bestimmte Bilder ein „falsches“ Publikum anzieht. Dem stimme ich zu – aber ganz anders als man es vielleicht erwartet:
Denn wer Pornografisches Material sehen will, der kommt woanders voll auf seine Kosten – und zwar kostenlos. Suspekter sind da die Menschen, die selbst gar keine Bilder ausstellen aber trotzdem einen Premiumzugang bezahlen. Natürlich finden man sie hier im Aktbereich – und zwar um das zu tun, was sie auf Pornoseiten nicht können, nämlich über das meckern wofür sie bezahlen. Hier scheint es „erfolgreich“ zu sein. Ich werde spätestens im nächsten Winter sehen, wohin sich das entwickelt.
Hallo,
Aktfotografie ohne Erotik und Kunst? Provokative Aussagen passen auch nicht in die Norm? Ist es geplant, den Bereich langsam und still loszuwerden?
Ich kann verstehen, dass man den Anspruch etwas erhöhen und Pornografie vermeiden möchte, aber so wie die Richtlinien formuliert sind, gibt es nur noch Raum für glattgebügelte „Pretty Pictures“. Kreativität findet dann nur noch mit der „Schere im Kopf“ statt.
Wie sieht es dann mit „Fetisch“ aus? Ist nicht immer schmuddelig, würde aber hier schon problematisch werden.
Ich weiß nicht was hier im Raum steht, aber eventuell sind die Richtlinien nur nicht komplett durchdacht und typisch für das heutige „man muss sich gegen alles rechtlich absichern“ formuliert.
Hi Stefan,
nein – der Aktbereich soll weder „still verschwinden“ noch auf dekorative „Pretty Pictures“ reduziert werden. Im Gegenteil: Wir möchten ihn bewusst als fotografischen Raum erhalten. Aber eben als einen, in dem Gestaltung, Haltung und Bildidee klar erkennbar im Vordergrund stehen – und nicht nur die bloße Präsentation von Nacktheit oder Sexualität.
Es geht nicht darum, Erotik oder Provokation grundsätzlich auszuschließen. Auch ein starkes, unbequemes Foto kann seinen Platz haben. Entscheidend ist für uns die Bildwirkung: Entsteht sie aus einer fotografischen Auseinandersetzung – oder vor allem aus der reinen Darstellung von Nacktheit oder einem sexuellen Reiz?
Eine „Schere im Kopf“ soll daraus nicht entstehen. Du fotografierst für Dich und Deine Idee – nicht für die fotocommunity. Du kannst weiterhin alles fotografieren, was Dir in den Sinn kommt. Nur kannst Du – wie bisher auch schon – nicht alles davon hier zeigen. Als Plattform tragen wir Verantwortung für die Außenwirkung der fotocommunity, für das Menschenbild, für den Ton innerhalb der Community. 2026 werden genau solche Themen deutlich sensibler betrachtet als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Darauf reagieren wir.
Zum Thema Fetisch: Auch hier gilt nicht „schmuddelig = verboten“. Aber wenn eine Inszenierung primär auf eine sexualisierte oder fetischistische Wirkung reduziert ist, passt sie künftig nicht mehr in unseren Schwerpunkt. Wenn eine Arbeit darüber hinaus eine erkennbare fotografische oder inhaltliche Ebene hat, schauen wir differenziert hin.
Die Richtlinien sind kein Kunsturteil und keine Zensurformel. Sie sind ein Rahmen – und Rahmen können Macken haben. Was sie aber immer tun, ist Orientierung geben.
Viele Grüße
Lars
Grundsätzlich sind die neuen Richtlinien ja Selbstverständlichkeiten, die ich auch bisher so selbst gesehen aber.
ABER: Das, was Ihr als Objektifizierung bezeichnet, ist ein wesentlicher Teil von Kunst, gerade im Akt. Wenn Körperformen als Teil der Bildgestaltung wirken, tritt gerade die Persönlichkeit in den Hintergrund, weil sie nicht ausschlaggebend ist. Das Arbeiten mit Spannungsdreiecken durch Körperformen stellt auch auf den Körper ab, nicht die individuelle Wirkung des Models als Person. Das Integrieren vom Model in eine Komposition stellt ein Model als Persönlichkeit immer in den Hintergrund, weil das Bild nicht durch das Model wirken soll, sondern durch die Gesamtkomposition. Auch beim Schwerpunkt Licht und Schatten spielt die Persönlichkeit vom Model eigentlich keine Rolle, weil die durch Licht und Schatten gezeichneten Formen das Bild prägen und die Wirkung durch die Reflexion des Körpers des Models entsteht. Persönlichkeit spielt hier keine Rolle. Aber das ist ja auch nicht despektierlich gemeint, sondern Teil der Kunst. Der Wert des Models liegt gerade im Posing, das diese Bildgestaltung ermöglicht, Körperspannung, Formgebung, nicht in dem Wert der Person als Persönlichkeit. Das Bild würde dann auch mit einem anderen Model mit vergleichbaren körperlichen Attributen wirken, was zeigt, dass es auf die Persönlichkeit des Models eben nicht ausschlaggebend ankommt.
Aber wahrscheinlich ist dieser Teil der Richtlinie lediglich ein Abgrenzungsversuch von herabwürdigenden Bildern und insofern auch völlig in Ordnung, wenn kunstnah ausgelegt. Nur der Ausdruck ist vielleicht etwas unglücklich.
Hallo Peter,
danke für Deine Anmerkung. Du hast vollkommen recht, wir haben die Wortwahl etwas unglücklich gewählt. Der entsprechende Abschnitt wurde nun präzisiert.
Danke für den Denkanstoß!
Liebe Grüße
Lars
Gibt es denn irgendwann einmal eine Rubrik zwischen Akt und Fashion/Glamour?
Sprich den Bereich Boudoir/Dessous. Ich fotografiere öfter in diesem Bereich, es sind halt weniger Teilakte oder Aktfotos.
Aber halt auch nicht nur Porträts oder Fashionfotos.
Hi Martin,
eine Sektion für Dessous gibt es bereits. Schau Dir auch gern mal die Untersektionen von „Erotik, Dessous, Szene & Themen“ an. Eine komplette Übersicht über alle Untersektionen der geschützten Kategorie „Akt“ findest Du hier.
Beste Grüße,
Lars
Hallo fc Team
Ihr schreibt von einem klar benannten Rahmen, um nachvollziehbar entscheiden zu können, wo ihr in Zukunft eingreifen wollt und wo nicht. Wo es vorher weitgehend klare Regeln gab, habt ihr mit euren neuen Formulierungen bei mir aber eher Verunsicherung hinterlassen.
Was ich herauslese, ist euer Wunsch, dass es in Zukunft im Aktbereich prüder zugehen möge, was ich als Einschränkung bei der Auswahl möglicher Motive und Posen sehen und bedauern würde. Und dass ihr in Zukunft die Deutungshoheit über Bildinhalt, -intention, -gestaltung und über die subjektive Wirkung beim Betrachter beansprucht, ist euer Recht als Betreiber, klingt aber leider ziemlich nach Zensur. Hier solltet ihr es wie in der Vergangenheit bei einigermassen klar definierbaren Aspekten belassen und alles Weitere den Kommentaren der Community überlassen.
Ich hoffe, dass ich hier überreagiere, aber ich werde interessiert verfolgen, wie ihr das in der Praxis umsetzen werdet und wohin die Reise der fc in diesem Bereich geht.
Viele Grüsse
Bernd
Wird der Mensch im Foto / Bild ernst genommen – oder auf körperliche Wirkung reduziert?
Es ist komisch, dass in einer Zeit eines neuen Körperkultes es bei Fotografien verwerlich sein soll, wenn wir Menschen auf deren körperliche Wirkung reduzieren. In einer Zeit in der man sowohl in Tanzclubs als auch in Fitnessstudios fast ausschließich nach seiner körperlichen Verfassung bewertet wird. Körperliche Fitness ist heute das ultimative Statussymbol. Das mag für Menschen schockierend sein, die ihr Leben ausschließlich nach Macht, Geld und Karriere ausrichten. In der menschlichen Geschichte ist die Schönheit des menschlichen Körpers immer wieder Gegenstand der Kunst gewesen. Man denke nur an die antiken Statuen von Sportlern, aber auch die Skulpturen in der Renaissance. Damals hat auch niemand von einer Reduzierung auf das Körperliche gesprochen, sondern nur von einer Idealisierung. Würden Eure neuen Regeln auch in der Museumslandschaft gelten, so hätte sowohl die Skulpturensammlung als auch das Newton-Museum in Berlin längst geschlossen werden müssen. Wir sind es gewohnt im Sinne beruflich-gesellschaftlicher Erwartungen zu funktionieren und uns anzupassen. Dazu dienen auch die Gesetze und der angebliche Jugendschutz. Deswegen war die FKK-Bewegung für die jeweiligen Machthaber oft suspekt. Wenn wir unsere Kleider wegwerfen, dann werfen wir auch die gesellschaftlichen Erwartungen der Arbeitsgesellschaft mit weg. Insoweit hat das Nackte auch etwas Befreiendes. Und dieses Recht sollten wir uns von niemandem nehmen lassen. Deswegen garantiert das Grundgesetz auch die Kunstfreiheit.
Der menschliche Körper war schon immer Teil der Kunst. Von antiken Statuen bis zur Moderne – daran rütteln wir nicht. Und natürlich kann Nacktheit etwas Befreiendes haben. Unser Punkt ist ein anderer. Wir verbieten keinen Körper. Wir stellen nur die Frage: Wird hier ein Mensch als Person gezeigt – oder vor allem als Körper? Das ist für uns der entscheidende Unterschied. Ein Museum ist ein kuratierter Raum mit Einordnung und Kontext. Die fotocommunity ist eine offene Online-Plattform mit sehr unterschiedlichen Menschen. Deshalb brauchen wir hier einen klaren Rahmen. Gerade weil äußere Erscheinung heute gesellschaftlich stark betont wird, schauen wir genauer hin. Wenn ein Bild Nacktheit oder bestimmte körperliche Merkmale plakativ in den Vordergrund stellt, ohne dass eine erkennbare Bildidee oder Auseinandersetzung darüber hinausgeht, dann überschreitet es aus unserer Sicht diesen Rahmen. Es geht nicht um perfekte Kunst. Es geht um die Aussage und die Wirkung eines Bildes.
Die Kunstfreiheit im Grundgesetz schützt vor staatlichen Eingriffen. Wir sind jedoch eine privat betriebene Plattform. Und wir müssen entscheiden, was wir in unserem öffentlichen Raum zeigen wollen – und wofür wir stehen. Das heißt nicht, dass wir die Darstellung von Nacktheit oder Schönheit ablehnen. Es heißt nur, dass wir bewusst einen Rahmen dafür setzen.
Beste Grüße
Lars
Klingt für mich alles nach selbst-auferlegter Schere im Kopf und Vorab-Zensur. Da das hier dem Namen nach eine Community ist, entscheiden doch vor allem die User mittles Lob und Kritik in den Kommentaren, ob etwas angemessen ist oder nicht. Ein paar seltene Male musste ich mir auch gehörige Kritik in den Kommentaren anhören und hab entsprechend reagiert. Diese Kommentare kamen aber von anderen Usern, nicht von „oben“. Ich bin absolut dafür, dass strafbare und unangemessene Inhalte weiterhin gelöscht werden, keine Frage. Sonst sollte aber völlige Kunstfreiheit herrschen und es den Usern überlassen sein, ob man Lob oder Kritik verteilt. Wir Fotografen machen uns i.d.R. sehr viel Mühe mit Shooting, Bearbeitung, Auswahl usw., da ist es m.E. verfehlt, wenn es ein Diktat von oben gibt, ob das Ergebnis deren Interpretation des aktuellen Zeitgeistes entspricht.
Ich weiß, was Du mit „Schere im Kopf“ meinst, und ich weiß auch, wie viel Arbeit und Herzblut oft in einem Bild steckt – das gilt für Dich genauso wie für mich und viele andere hier. Und natürlich lebt eine Community von Lob, Kritik und Diskussion untereinander. Das soll auch so bleiben, denn Kommentare sind wichtig, weil sie unterschiedliche Sichtweisen sichtbar machen. Aber all das kann Moderation nicht vollständig ersetzen. Denn am Ende liegt die rechtliche und öffentliche Verantwortung für das, was hier gezeigt wird, bei uns als Betreiber. Diese Verantwortung können wir nicht allein an Dynamiken bei den Fotos, KI-Bildern oder in den Kommentaren delegieren.
Es geht dabei nicht um ein ästhetisches Diktat und auch nicht darum, einen bestimmten Zeitgeist vorzuschreiben. Wir greifen nicht ein, weil uns eine Bildidee nicht gefällt. Wir greifen ein, wenn wir überzeugt sind, dass eine Bildwirkung den von uns definierten Rahmen überschreitet – einen Rahmen, den wir transparent machen und für den wir geradestehen müssen. Und der Kontext hier ist eine privat betriebene, öffentlich zugängliche Plattform, die Verantwortung trägt, ihren Mitgliedern gegenüber und auch nach außen. Das bedeutet nicht Misstrauen gegenüber der Community. Es bedeutet einfach, dass wir als Betreiber am Ende dafür einstehen, welchen Raum wir hier gemeinsam gestalten.
Liebe Grüße
Lars
Das Zitat „Wir greifen ein, wenn wir überzeugt sind, dass eine Bildwirkung den von uns definierten Rahmen überschreitet“ zeigt doch aber das gesamte Dilemma. Es sind allein _eure_ Maßstäbe, und die sind alles andere als eindeutig. Wenn ich das identische Aktfoto einem gläubigen Christen zeige und einem Kumpel aus der Kunstszene, werde ich völlig unterschiedliche Reaktionen erhalten. Wenn ihr also sagt, dass sich der Zeitgeist, eure Einstellungen usw. geändert haben, dann heißt das für uns Mitglieder: Entweder, wir ordnen uns unter und laden von vornherein nur noch „harmloses“ Material hoch. Oder wir finden uns damit ab, dass eure Vorstellungen der limitierende Faktor sind und fleißig gelöscht wird. Es hat in der Gesichte der Menschheit noch keine Episode gegeben, in der es sich positiv ausgewirkt hat, nur noch bestimmte Kunstformen oder Darstellungsweisen zuzulassen und andere zu verbieten oder einzuschränken. Bleibt bei den eindeutigen Verstößen gegen Recht und Sitte und überlasst alles andere der Community.
Du hast recht: Am Ende sind es unsere Maßstäbe – es ist die Hausordnung des Betreibers. Nicht, weil wir glauben, im Besitz einer höheren Wahrheit zu sein, sondern weil wir als Betreiber die Verantwortung tragen – rechtlich, öffentlich und inhaltlich. Bildwirkung ist nie eindeutig. Menschen reagieren unterschiedlich. Genau deshalb braucht eine Plattform eine konsistente Linie, nach der entschieden wird. Würden wir nur bei strafbaren Inhalten eingreifen, hätten wir faktisch keine inhaltliche Haltung mehr – und genau das wäre aus unserer Sicht verantwortungslos. Es geht nicht darum, Kunst zu verbieten oder nur noch „Harmloses“ zuzulassen. Aber wir setzen einen Rahmen, den wir vertreten können und für den wir auch gesellschaftlich geradestehen müssen.
Liebe Grüße
Lars
So wie ich es verstehe versucht die fotocommunity mehr Kontrolle in den Akt-Channel zu bekommen wobei ich bisher nicht den Eindruck hatte dass dieser „unterreguliert“ gewesen wäre.
Das Ganze soll sich auf gesellschaftliche Diskussionen beziehen die sich in über 20 Jahren weiterentwickelt haben. Es soll sich jetzt mehr in einem „klar benannten Rahmen“ bewegen.
Kriterien werden in den Richtlinien genannt. Diese gelten nur für ab dem Stichtag neu veröffentlichte Bilder.
Ältere Bilder die noch nicht diesen neuen Richtlinien entsprechen werden belassen und nicht gelöscht/entfernt.
Habe ich das bis hierhin alles richtig vestanden ?
Wenn ja könntet ihr doch ein paar Beispielbilder die früher zugelassen wurden, es heute aber nicht mehr würden, zeigen und anhand derer begründen was sich konkret verändert hat.
So wie es beschrieben ist erkenne ich den „klar benannten Rahmen“ nicht.
Könnt ihr das machen oder denke ich da „zu einfach“ ?
Im Grunde hast Du es richtig zusammengefasst. Es geht nicht darum, im Akt-Channel plötzlich die Zügel anzuziehen, weil dort angeblich Chaos herrschte. Der Bereich war nicht „unterreguliert“. Aber wir merken seit einiger Zeit, dass sich die Bildsprache – gerade durch KI – verändert hat. Und dass damit auch Fragen lauter werden, die früher vielleicht nicht in dieser Form gestellt wurden.
Dass die neuen Leitlinien nur für neu eingestellte Bilder gelten, ist bewusst so entschieden worden. Wir wollten keinen rückwirkenden Schnitt machen, kein Durchforsten alter Bestände und kein Signal von „früher war alles falsch“. Es geht nicht um Korrektur der Vergangenheit, sondern um eine bewusste Setzung für die Zukunft.
Dein Wunsch nach konkreten Beispielbildern ist absolut nachvollziehbar. Das Problem ist nur: Sobald wir anfangen, frühere Arbeiten als „würde heute nicht mehr gehen“ öffentlich zu zeigen, geraten wir schnell in eine Situation, in der einzelne Mitglieder oder Bilder indirekt an den Pranger gestellt werden. Das würde der Diskussion nicht guttun. Und ehrlich gesagt wäre es auch nicht fair.
Der „klar benannte Rahmen“ ist deshalb weniger eine Liste von verbotenen Motiven als eine Haltung. Die Frage, die wir uns stellen, ist immer wieder: Wird ein Mensch als eigenständige Person sichtbar – mit Ausdruck, Kontext, vielleicht sogar Ambivalenz? Oder steht die gezielte Betonung körperlicher Reize so stark im Vordergrund, dass alles andere dahinter verschwindet? Bei KI verschärft sich das noch, weil dort Figuren sehr bewusst nach idealisierten Mustern konstruiert werden können.
Ich verstehe, dass das weniger greifbar wirkt als eine Checkliste mit klaren Ja-/Nein-Kriterien. Aber wir wollten keinen mechanischen Kriterienkatalog, sondern Leitlinien zur Bildwirkung. Und Bildwirkung lässt sich eben nicht immer an einem einzelnen Detail festmachen.
Du denkst also keineswegs „zu einfach“. Die Nachfrage ist berechtigt. Nur ist die Antwort leider komplexer, als man es sich vielleicht wünschen würde.
Liebe Grüße
Lars
Meine Frage an Euch : Da es so wichtig scheint hier Richtlinien zu bestimmen . Wie oft musstet ihr Bilder lôschen, die nicht den Regeln entsprachen. Ist es täglich? wöchentlich ? oder nur ab und zu ? Ich kann die neuen Regeln verstehen, wenn es ein Problem auf konstanter Ebene gegeben hat. Wenn es aber nur dazu da ist, den politisch korrekten Menschen vom Hals zu gekommen, halte ich es für einen Fehler. Kunst ist die freie Ausdruckskraft der Personen die sie veröffentlichen. Leider werden die Menschen immer Prüder und langweiliger. Man kann allen sagen . Was ihr auf Instagram zeigen dürft könnt ihr auch bei uns posten. Dies ist die schleichende Einwanderung der amerikanischen Kultur die keine Kultur ist. Wir empfehlen heute Mc Donalds. Ungesund für den Kopf aber alle können es essn.
Ich verstehe Deine Frage nach der Häufigkeit durchaus, weil sie ja impliziert: Reagieren wir hier auf ein echtes Problem – oder auf ein Stimmungsbild von außen?
Tatsächlich ist Moderation bei uns kein Ausnahmefall, sondern Teil des täglichen Betriebs. Wir löschen regelmäßig Bilder, die nicht in unseren Rahmen passen – nicht nur im Akt oder bei KI, sondern in ganz unterschiedlichen Bereichen. Das geschieht meist leise im Hintergrund und ohne großes Aufheben, gehört aber schlicht zur Verantwortung einer offenen Plattform.
Die Überarbeitung der Richtlinien ist deshalb nicht entstanden, um „politisch korrekten Menschen vom Hals zu kommen“, sondern weil wir über einen längeren Zeitraum Entwicklungen beobachten – in der Bildsprache, in der technischen Möglichkeit der Bildproduktion und auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Gerade durch KI verschieben sich Grenzen schneller, als man vielleicht denkt, und darauf müssen wir reagieren.
Ich verstehe den Gedanken der Kunstfreiheit sehr gut. Fotografie ist Ausdruck, Haltung, manchmal auch Provokation. Aber wir bewegen uns hier nicht im freien Raum, sondern in einer Community, die wir als Betreiber verantworten. Und Verantwortung bedeutet, einen Rahmen zu setzen, der für viele tragfähig ist – nicht nur für die, die am lautesten oder am radikalsten auftreten.
Das hat für mich wenig mit Prüderie oder kultureller Gleichmacherei zu tun. Es geht nicht darum, alles glatt zu machen oder Instagram zu kopieren. Es geht darum, klar zu definieren, wo für uns als Plattform die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und problematischer Bildwirkung verläuft.
Man muss diesen Rahmen nicht in jedem Punkt gut finden. Aber er ist kein Schnellschuss und kein Kniefall vor irgendeiner Ideologie. Er ist das Ergebnis einer Abwägung, die wir als Betreiber treffen müssen.
Liebe Grüße
Lars
Mein erster Gedanke !!!! Wie wären die Bilder von Melppelthorpe bewertet worden. Ein anerkannter Fotograf der Schwulenszeene . Wenn man versucht eine Ausstellung in Galerien zu bekommen, reflektiert sich was hier versucht wird. Nicht Einzelregelung sonder durchschnittle für alles passende Regel 0815. Sehr Deutsch !!!! Viele Fotografen hier sind nicht Berufsfotografen. Das gesagt, fallen Bilder sehr unterschiedlich aus. Was einem nicht gefällt,muss man nicht kommentieren. Aktfotografie ist vom her Start nicht für jederman gedacht. Wer es nicht mag,soll nicht die Kategorie Akt anschauen. Ich hielte es für verständlicher, wenn derjenige der Akt aufruft daraufhingewiesen wird, dass es sich um nackte Körper handelt. Ich denke an Egon Schiele den Maler oder Charles Bukowsky den Schriftsteller. Sie passen nicht in die durchschnittliche Kuchenform. Heute muss alles allen gefallen.
Hi Günter,
ich verstehe den Gedanken hinter Deinem Vergleich mit Künstlern wie Mapplethorpe oder Schiele. Das waren Persönlichkeiten, die bewusst provoziert und Grenzen verschoben haben. Und natürlich gehören solche Positionen zur Kunstgeschichte. Es ist aber am Ende so, dass wir uns hier in der fotocommunity nicht in einem musealen oder kuratierten Ausstellungskontext bewegen, sondern in einer offenen Community mit sehr unterschiedlichen Menschen, Erfahrungen und Erwartungen. Das schafft einen anderen Rahmen – nicht zwingend enger, aber verantwortlicher im Hinblick auf Öffentlichkeit und Zugänglichkeit.
Dein Hinweis „Wer Akt nicht mag, soll die Kategorie nicht ansehen“ greift daher aus meiner Sicht auch ein wenig zu kurz. Denn auch innerhalb einer Aktkategorie bleibt am Ende die Frage bestehen, wie Menschen dargestellt werden und welche Haltung ein Bild transportiert. Eine Kategorie definiert ein Thema – sie ersetzt aber nicht die Auseinandersetzung mit Bildwirkung und der eigenen Verantwortung. Und da die fotocommunity diese Kategorie anbietet, muss sie auch einen Rahmen setzen, innerhalb dessen sich alle bewegen können.
Es geht uns also nicht darum, Fotografie in eine Durchschnittsform zu pressen oder alles gefällig zu machen, und es geht auch nicht darum, dass alles allen gefallen muss. Aber wir setzen einen Rahmen, der für unsere Community tragfähig ist und respektvoll bleibt – gerade bei sensiblen Themen.
Dass darüber diskutiert wird, ist völlig in Ordnung. Entscheidend ist für uns, dass nachvollziehbar bleibt, warum wir diesen Rahmen setzen.
Liebe Grüße!
Lars
PS: Ich mag Deine Fotos 😀
„Gleichzeitig haben sich gesellschaftliche Diskussionen über Darstellung, Rollenbilder, Nähe, Distanz und öffentliche Präsentation von Körpern weiterentwickelt.“ Natürlich haben sie das, aber (1) dies deutet darauf hin, dass sich Fotografen in den letzten zwanzig Jahren nicht weiterentwickelt haben, und (2) du sagst nicht, wie sich diese Entwicklung in der Praxis auf die moderne Aktfotografie auswirken wird/sollte.
Lass mich ein Beispiel nennen. Ich habe hier kürzlich ein Foto gesehen, das stark darauf hindeutet, dass eine Frau vergewaltigt wird. Es war nicht viel Nacktheit zu sehen, aber die Idee dahinter könnte für viele Betrachter leicht abstoßend sein. Die Absicht dahinter könnte jedoch ethischer Natur sein (Warnung, Sensibilisierung, was auch immer). Wie will man Absichten beurteilen, die möglicherweise nicht klar sind? Nach welchen Kriterien will man das tun?
Ein zweites Beispiel betrifft die Titel von Fotos. Die Fotos selbst sind vielleicht nicht anstößig, aber ihre Titel könnten durchaus die niederen Instinkte von Männern ansprechen, was sie sexistisch und verwerflich macht. Was soll man dagegen tun?
Mit dem Hinweis auf gesellschaftliche Entwicklungen ist nicht gemeint, dass Fotografen sich nicht weiterentwickelt hätten. Viele haben das selbstverständlich getan. Gemeint ist vielmehr, dass sich der Rahmen verändert hat, in dem Bilder heute gelesen werden. Rollenbilder, Machtfragen und der Blick auf Körper werden heute anders diskutiert als vor zwanzig Jahren. Darauf müssen wir als Plattform reagieren – unabhängig von der individuellen Haltung eines Fotografen.
Zur Frage nach Absicht und Bewertung: Wir können keine Absichten beurteilen. Wir sehen nicht in den Kopf eines Fotografen. Entscheidend ist deshalb die Bildwirkung. Wie wirkt ein Bild auf einen unbeteiligten Betrachter? Welche Lesart liegt nahe? Wird ein sensibles Thema reflektiert behandelt – oder entsteht der Eindruck von Ästhetisierung oder reiner Reizsetzung? Dein Beispiel einer möglichen Gewaltszene zeigt genau diese Schwierigkeit. Ein Bild kann kritisch gemeint sein – oder problematisch wirken. Deshalb entscheiden wir immer im Einzelfall und im Gesamtzusammenhang von Motiv, Gestaltung und Kontext. Gleiches gilt für Titel. Bild und Titel gehören zusammen. Wenn ein Titel eine sexualisierte oder abwertende Lesart nahelegt, fließt das in die Bewertung mit ein. Wir arbeiten nicht mit starren Verboten, sondern mit Leitlinien zur Wirkung. Wird ein Mensch als Person sichtbar – oder vor allem als Objekt? Entsteht eine reflektierte Auseinandersetzung – oder wird vor allem mit Reizen gearbeitet?
Die aktualisierten Richtlinien sind ein Schritt in diese Richtung. Wir wissen, dass sich so etwas nicht von heute auf morgen einspielt. Deshalb bitten wir darum, dem Prozess etwas Zeit zu geben – damit sich ein gemeinsames Verständnis entwickeln kann, das für alle nachvollziehbar ist.
Grüße!
Und was ist ein unbeteiligter Betrachter? Und wie genau funktioniert der Prozess, dem wir etwas Zeit geben sollen? Soll da jemand/etwas peu a peu lernen, was ästhetisch ist oder was eher nur reine Reizsetzung ist? Und wer bringt es ihm/ihr bei?
Ein „unbeteiligter Betrachter“ – das ist keine konkrete Person mit Namensschild. Damit ist einfach der Blick gemeint, der außerhalb der eigenen Idee liegt. Also jemand, der das Bild sieht, ohne die Geschichte dahinter zu kennen. Nicht als Freund oder Model oder als Fotograf, sondern als Teil eines öffentlichen Raums. Am Ende zählt eben nicht nur, was gemeint war – sondern auch, was ankommt.
Und was den „Prozess“ angeht und dieses „Gebt dem Ganzen Zeit“: Ja, das wirkt von außen wahrscheinlich unscharf. Vielleicht sogar schwer greifbar. Bildwirkung lässt sich nun mal nicht in eine Checkliste pressen. Deshalb die Einladung, das nicht nur theoretisch zu zerlegen, sondern die Entwicklung anzuschauen. Schaut euch an, welche Bilder bleiben und welche entfernt und welche Begründungen gegeben werden. Daraus entsteht mit der Zeit ein Gefühl für den Maßstab. Nicht über Nacht und auch nicht perfekt, aber sichtbar. Am Ende zeigt sich die Ausrichtung weniger im Text – sondern in den Bildern, die hier künftig ihren Platz haben.
Ich empfand die bisherigen Vorgaben alles völlig ausreichend. Sehr viele Aktfotografien, die hier gezeigt werden, haben ein ausserordentlich hohes Niveau in jeder Hinsicht. Und natürlich gab es Grenzüberschreitungen hier und da. Dann wurde moderiert und notfalls eingegriffen. Wie in jedem Bereich, so auch in der „Königsdisziplin“ der Fotografie macht jeder Fotograf im Laufe der Jahre eine Entwicklung durch. Man probiert, produziert viel „Müll“ und irgendwann hat meine einen eigenen Stil entwickelt… und es trennt sich die „Spreu vom Weizen“ … Nun wird also noch mehr „moderiert“ und eingegriffen … ich bin schwer verunsichert …
Hallo Ingo,
danke Dir für Deine ehrlichen Gedanken. Uns ist wichtig zu betonen: Entwicklung bleibt weiterhin möglich. Niemand soll hier aufhören zu experimentieren, sich auszuprobieren oder einen eigenen Stil zu finden. Gerade im Aktbereich gehört dieser Prozess dazu.
Was sich verändert hat, ist nicht die Offenheit für unterschiedliche Ansätze, sondern der Blick, unter dem Fotos und KI-Bilder künftig stärker betrachtet werden. Wir schauen genauer hin, ob ein Bild primär etwas zur Schau stellt – oder ob eine erkennbare fotografisch-gestalterische Auseinandersetzung dahintersteht. Es geht also weniger um „gefällt uns das?“ und mehr um die Frage: Trägt das Bild durch Licht, Perspektive, Bildaufbau oder Kontext eine eigene fotografische Aussage – oder lebt es vor allem durch Präsentation, Objektifizierung und vom Gezeigten selbst?
Das bedeutet keine pauschale Verschärfung, sondern eine klarere Ausrichtung. Entwicklung, Stilfindung und Vielfalt bleiben möglich – sie bewegen sich lediglich bewusster innerhalb eines definierten Rahmens.
Beste Grüße
Lars
Wer genau betrachtet eigentlich künftig stärker? Wer ist „wir“?
Und was passiert, wenn die Betrachtung entscheidet, dass das Bild NICHT den Gemeinschaftsstandards entspricht?
„Wir“ sind keine neue Instanz oder Moraljury. Es ist das Team, das die fotocommunity seit Jahren begleitet und moderiert, denn Bilder wurden hier immer schon betrachtet, eingeordnet, manchmal auch entfernt. Das gehört zu einem öffentlichen Raum dazu. Neu ist nicht, dass wir hinschauen, sondern dass wir klarer benennen, worauf wir achten.
Und wenn ein Bild diesen Rahmen nicht erfüllt? Dann wird es aus dem Bereich genommen und der Urheber über die Gründe informiert, als Entscheidung im Rahmen unseres Hausrechts.
Mich freut es dass ihr die Richtlinien angepasst / und oder erneuert habt mit dem Fokus auf Fotografie. Konkret habe ich keine Bemerkungen dazu, ist sowieso nicht mein Genre.
Ein „schöner“ Akt, männlich oder weiblich hat seine Berechtigung in der Fotografie. Ich denke dass ich nicht besonders prüde bin aber mich störten einfach gewisse unsäglich schlechten Fotos, oft lieblos geknipst, die offensichtlich aus einer momentanen Lust oder aus Geltungsbedürfnis entstanden sind und die in einer / der Fotocommunity nichts verloren haben. Mit diesen Richtlinien ist nun ein Werkzeug für Anwender und für die Verantwortlichen der FC entstanden.
Besten Dank p.k.
Hallo,
ich habe mich intensiv mit den neuen Richtlinien zur Aktfotografie auseinandergesetzt und stelle aus meiner Sicht auffällige Spannungen / Widersprüche dar:
1. Grundhaltung der Richtlinien
Die fc positioniert sich klar:
Kein Raum grenzenloser Freiheit, sondern „Freiheit mit Verantwortung“
Jugendschutz & Menschenwürde als oberste Leitlinien
Aktbereich = geschützter Premiumbereich
Bewertung nicht künstlerisch, sondern wirkungs- und inhaltsbezogen
Das verschiebt den Fokus deutlich weg von „Ist das Kunst?“ hin zu
👉 „Was sieht man objektiv und wie wirkt es typischerweise?“
2. Auffällige Spannungen / Widersprüche
Widerspruch 1: „Keine Kunstplattform“ vs. Aktfotografie
„Die fotocommunity ist keine Erotikplattform und keine Kunstplattform.“
Spannung:
-> Aktfotografie ist historisch und praktisch eng mit Kunst verbunden.
Wenn Bilder nicht nach künstlerischen Gesichtspunkten beurteilt werden:
– verliert „künstlerischer Kontext“ als Schutzargument seine Bedeutung
– wird ein Aktfoto gleich behandelt, egal ob Fine Art oder platte Erotik
👉 Das ist kein logischer Fehler, aber ein Bruch mit der bisherigen Kultur vieler Fotografen, die Akt explizit als Kunst verstehen.
Widerspruch 2: „Objektiv sichtbarer Bildinhalt“ vs. „Intention & Wirkung“
Maßgeblich sind:
– objektiv sichtbarer Bildinhalt
– Intention der Darstellung
– typische Wirkung
Problem:
-> „Objektiv sichtbar“ klingt messbar
-> „Intention“ & „Wirkung“ sind hochgradig subjektiv
👉 Die Richtlinie behauptet Objektivität, arbeitet aber mit Interpretationsbegriffen.
Das führt praktisch zu:
– großer Ermessensspielraum der Moderation
– schwer vorhersehbaren Entscheidungen
Widerspruch 3: „Nicht entscheidend, was ein Bild meint“ vs. „Intention maßgeblich“
Einerseits:
-> „Entscheidend ist nicht, was ein Bild erklären oder rechtfertigen möchte…“
Andererseits:
-> „Maßgeblich sind … die Intention der Darstellung“
👉 Intention wird als Kriterium genannt, aber gleichzeitig relativiert.
Unklar bleibt:
Zählt die erkennbare Bildintention?
Oder zählt nur die wahrgenommene Wirkung?
Widerspruch 4: Genitalien – Definition vs. Verbotsliste
Definition:
Nicht zulässig sind Darstellungen von Geschlechtsorganen,
wenn diese bildbestimmend oder fokussiert dargestellt werden.
Dann jedoch:
„Nicht zulässig sind insbesondere:
frontale oder seitliche Darstellungen mit offen sichtbarem Geschlechtsorgan …“
👉 Hier entsteht eine Spannung:
Erst klingt es nach „nur wenn bildbestimmend“
Dann wirkt es wie ein generelles Verbot sichtbarer Genitalien
Interpretationsfrage:
Darf ein Geschlechtsorgan sichtbar sein, wenn es nicht bildbestimmend ist?
Oder sind sichtbare Genitalien faktisch immer problematisch?
Widerspruch 5: „Kopfkino erlaubt“ vs. sehr enge Detailverbote
Erlaubt:
„Andeutungen („Kopfkino“)“
Aber verboten sind u. a.:
– Blickführung Richtung Genitalbereich
– Berührung Genitalbereich
– bestimmte Perspektiven
👉 Kopfkino lebt oft genau von solchen Bildmitteln.
Spannung:
– Andeutung erlaubt
– visuelle Mittel der Andeutung stark eingeschränkt
– Widerspruch 6: Safe-Sane-Consensual vs. „sichtbare Wirkung maßgeblich“
„Grundsätzlich orientiert sich die Bewertung am Prinzip safe, sane, consensual.“
„Maßgeblich bleibt jedoch der sichtbare Bildinhalt und seine Wirkung.“
👉 Selbst wenn eine Szene eindeutig einvernehmlich und inszeniert ist, kann sie entfernt werden, wenn sie „gefährlich wirkt“.
Das relativiert SSC erheblich.
Widerspruch 7: „Begründete Annahme genügt“
Mehrfach:
„Bereits die begründete Annahme eines Regelverstoßes reicht…“
👉 Das ist juristisch verständlich, aber:
– keine klare Beweisgrundlage nötig
– Risiko von Fehlentscheidungen / Overblocking
Spannung zwischen:
– Fairness für Fotografen
– maximaler Absicherung des Betreibers
3. Charakter der Richtlinien
Die Richtlinien sind deutlich:
✅ stark präventiv
✅ wirkungsorientiert
✅ sicherheits- und jugendschutzgetrieben
❌ wenig kunst- oder kontextsensibel
Sie geben der Moderation:
– sehr großen Interpretationsspielraum
– rechtliche Rückendeckung für Eingriffe
4. Praktische Konsequenzen für Fotografen
Man sollte davon ausgehen:
– sichtbare Genitalien = hohes Risiko, auch wenn „nicht bildbestimmend“
– Perspektiven & Blickführung extrem wichtig
– SM/Bondage nur sehr soft & klar inszeniert
– Wirkung zählt mehr als Absicht
– Graubereiche werden eher restriktiv entschieden
5. Fazit
Die Richtlinien sind:
✔ konsistent im Ziel (Jugendschutz, Distanz zu Pornografie)
✔ aber nicht immer konsistent in der Formulierung
✔ teilweise widersprüchlich zwischen Objektivität & Wirkung
✔ bewusst zugunsten der Betreiberabsicherung formuliert
Kernbotschaft:
👉 Nicht „Ist das Kunst?“ sondern „Wie könnte es wirken?“
👉 Im Zweifel wird eingegriffen.
Für Aktfotografen bedeutet das eine klar restriktivere Umgebung mit höherer Unsicherheit in Grenzfällen.
Mein Fazit zu den neuen Akt-Richtlinien der fotocommunity (zusammenfassend)
Nach gründlichem Lesen der neuen Richtlinien im Aktbereich möchte ich ein offenes Fazit ziehen – aus Sicht eines Fotografen, der seit Jahren sensuelle und stimmungsorientierte Aktfotografie zeigt.
Zunächst: Dass eine Plattform Regeln braucht und sich rechtlich absichern muss, ist selbstverständlich. Auch der Schutz von Jugendschutz und Menschenwürde steht außer Frage. Dennoch hinterlassen die neuen Formulierungen bei mir einen ambivalenten Eindruck.
Die fotocommunity betont, keine Erotik- und keine Kunstplattform zu sein und Bilder nicht nach künstlerischen Gesichtspunkten zu bewerten. Maßgeblich seien objektiv sichtbarer Bildinhalt, Intention und typische Wirkung. In der Praxis verschiebt sich damit der Fokus sehr stark auf Wahrnehmung und Interpretierbarkeit – und weg von Bildidee, Kontext und fotografischer Haltung.
Gerade für Arbeiten, die bewusst mit Stimmung, Andeutung und subtiler Sinnlichkeit arbeiten, entsteht dadurch ein Spannungsfeld. Bilder, die nicht provozieren, sondern eine leise, poetische Bildsprache verfolgen, geraten schneller in Graubereiche. Nicht wegen expliziter Inhalte, sondern wegen möglicher Wirkung oder Blickführung.
Begriffe wie „typische Wirkung“ oder „begründete Annahme genügt“ erweitern den Interpretationsspielraum erheblich. Für Fotografen bedeutet das weniger Planungssicherheit und eine zunehmende Notwendigkeit, Bildgestaltung nicht nur ästhetisch, sondern vor allem regelstrategisch zu denken.
Das führt zwangsläufig zu Fragen:
– Wie viel Andeutung ist noch unproblematisch?
– Wann wird Körpersprache zur „Blicklenkung“?
– Wird sinnliche Stimmung bereits als Grenzüberschreitung gewertet?
Ich empfinde die neuen Richtlinien daher als deutlich restriktiver, auch wenn sie nicht so bezeichnet werden. Besonders betroffen ist der Bereich zwischen klassischem Akt und sensueller Bildsprache – also genau jener Raum, in dem viele zeitgenössische Arbeiten entstehen.
Viele Grüße
Peter
Hallo Peter,
danke für Deine ausführliche Auseinandersetzung mit den Richtlinien – und ja, die Struktur Deines Textes lässt erkennen, dass hier mit ChatGPT oder einem ähnlichen Tool gearbeitet wurde. Für eine KI mögen solche Regelwerke tatsächlich widersprüchlich oder unscharf wirken, weil sie Begriffe wie „Wirkung“ oder „Intention“ logisch sezieren, aber nicht im menschlichen Kontext einordnen können.
Grundsätzlich wird in keiner Weise in Frage gestellt, dass Fotografie – und besonders Aktfotografie – Kunst sein kann. Viele von uns verstehen sie genau so. Der entscheidende Punkt ist jedoch: Wir können und dürfen Bilder in der fotocommunity nicht nach künstlerischen Maßstäben bewerten. Kunst kann Motive und Darstellungen legitimieren, die wir als Plattform aus rechtlichen, jugendschutzrechtlichen oder gemeinschaftlichen Gründen nicht zeigen können. Werke von Robert Mapplethorpe sind zweifellos Kunst – dennoch wären bestimmte Motive hier nicht zulässig. Das Argument „Das ist Kunst“ kann deshalb für unsere Moderation kein tragfähiges Kriterium sein. In diesem Sinne sind wir keine Kunstplattform.
Du beschreibst sehr treffend das Spannungsfeld zwischen Objektivität und Wirkung. Ja, Wirkung ist kein Messwert wie eine Blende oder eine Brennweite. Aber wir bewegen uns hier in einem sozialen Raum, nicht in einem Labor. Sobald Menschen dargestellt werden, geht es zwangsläufig um Wahrnehmung. Der „objektiv sichtbare Bildinhalt“ ist der Ausgangspunkt – was tatsächlich zu sehen ist. Die „typische Wirkung“ beschreibt nicht eine individuelle Deutung, sondern die naheliegende, mehrheitlich zu erwartende Wahrnehmung einer Darstellung. Das ist kein beliebiges Bauchgefühl, sondern eine redaktionelle Einschätzung im Rahmen klar formulierter Leitplanken.
Die Richtlinien sollen keine kunsttheoretische Abhandlung sein und auch kein Widerspruchsfreies Regelwerk im mathematischen Sinn. Sie definieren einen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens können sich Nutzer bewegen. Und dieser Rahmen hilft uns, Entscheidungen nachvollziehbar und konsistent zu treffen. Ohne solche Leitplanken würde Moderation tatsächlich willkürlich wirken.
Dass es Graubereiche gibt, bestreiten wir nicht. Darstellungen und ihre Wirkung sind nicht DIN-genormt. Aber genau deshalb braucht es Kriterien, an denen wir uns orientieren können: Sichtbarkeit, Bildaufbau, Präsentation, Kontext, erkennbare Inszenierung. Diese Kriterien sind kein Instrument zur Einschränkung von Ausdruck, sondern ein Versuch, eine gemeinsame Grundlage zu schaffen.
Wichtig ist auch: Die Richtlinien sind nicht dazu da, einen bestimmten Stil durchzusetzen oder alles „klassisch“ zu machen. Sie sollen verhindern, dass der Aktbereich in Bereiche abgleitet, die primär über Präsentation von Körperlichkeit, Provokation oder Grenzüberschreitung funktionieren. Es geht nicht darum, leise oder poetische Arbeiten zu verdrängen. Es geht darum, eine Linie zu ziehen, die für eine breite, altersmäßig sehr gemischte Community tragfähig ist.
Am Ende bleibt es ein gestalteter Raum. Jede Plattform definiert, wofür sie stehen möchte und wofür nicht. Das ist keine Abwertung einzelner Arbeiten, sondern eine Entscheidung über den Rahmen, in dem wir uns als fotocommunity bewegen.
Beste Grüße
Lars
Hallo Lars,
vielen Dank für Deine ausführliche und sachliche Rückmeldung. Ich weiß die differenzierte Einordnung und den respektvollen Ton sehr zu schätzen.
Unabhängig davon, ob ein Text mit Unterstützung einer KI oder rein menschlich entstanden ist, halte ich die inhaltliche Auseinandersetzung für den entscheidenden Maßstab. Die angesprochenen Spannungsfelder – insbesondere rund um Wirkung, Interpretationsspielräume und Graubereiche – bleiben aus meiner Sicht weiterhin relevante Punkte.
Mir ist bewusst, dass Richtlinien einen Rahmen definieren müssen und nie vollständig widerspruchsfrei sein können. Gleichzeitig hoffe ich, dass der Dialog über genau diese Unschärfen und deren praktische Auswirkungen auf unterschiedliche fotografische Handschriften lebendig bleibt.
Danke für Deine Zeit und die offene Erläuterung der Plattformperspektive.
Beste Grüße
Peter
Vielen Dank für diese fundierte Einordnung und die klaren Leitlinien zu einem so anspruchsvollen und sensiblen Bereich der Fotografie. Als Fotograf schätze ich die professionelle Herangehensweise, die den Respekt vor dem Modell und die künstlerische Ästhetik in den Vordergrund stellt. Die Ausführungen hier bieten eine wertvolle Orientierung, um die Qualität und Ethik innerhalb der Fotocommunity nachhaltig zu stärken.
Frage: Wo ist denn der Loben-Button für den Kommentar von Bernhard Brause?
Ich verstehe die ganze Änderung nicht. Wie kann man Bildwirkung von Bildaussage trennen? Es hängt doch alles zusammen. Und jeder Betrachter wird, wie vom Vorgänger gut beschrieben, eine andere Deutung in dem Foto finden. Das könnt ihr, also diejenigen, die über die Einhaltung der neuen Regeln entscheiden müssen, doch gar nicht bestimmen. Das grenzt für mich an Willkür. Wo waren denn die Probleme mit den alten Regeln? Und wenn ihr Regeln anpassen wolltet, nur weil sie zu alt geworden sind, dann ist das sinnfreies Handeln. Ohne Not.
Zitat aus der Antwort der fotocommunity: „Der Aktbereich ist vor vielen Jahren entstanden, in einer anderen Zeit und mit anderen Selbstverständlichkeiten. Die jetzige Anpassung ist der Versuch, ihn heute neu zu verorten und tragfähig zu halten – auch für unterschiedliche Sichtweisen und Generationen.“
Wenn die Neuordnung eine Beschneidung früherer Zulässigkeiten bedeutet (und das ist sie ja ohne Zweifel), dann ist es ein Eingriff in die Freiheit der User. Ich darf nicht mehr veröffentlichen, was vorher erlaubt war. Ich dachte immer, wir entwickeln uns weiter zu einer freien, demokratischen Gesellschaft. Diese Begrenzung ist daher klar ein Rückschritt. Willkommen im MAGA-Wonderland. Als Putin die Ukraine angriff konnte ich die Welt nicht mehr verstehen. Krieg in Europa. Krieg im 21. Jahrhundert. Das hielt ich für absolut ausgeschlossen und entsprach nicht meiner vorstellbaren Sichtweise. Er kam trotzdem. Beschränkung der bisherigen Freiheit in der Fotografie in Europa ist für mich ebenfalls ein Rückschritt ins vorige Jahrtausend.
Ich bedauere das sehr, auch wenn ich im Aktbereich mehr Model als Fotograf bin. Aber es gibt ja auch noch andere Plattformen, die – noch? – freier sind.
MfG Andreas
Hallo Andreas,
danke für Deine Worte. Man merkt, dass Dich das Thema bewegt – und genau das zeigt ja auch, wie wichtig Dir dieser Bereich ist.
Die Frage nach Bildwirkung und Bildaussage ist berechtigt. Natürlich hängt beides zusammen. Uns geht es auch nicht darum, diese künstlich zu trennen. In der Praxis müssen wir jedoch unterscheiden zwischen dem, was jemand mit einem Bild ausdrücken möchte, und dem, was beim Betrachter tatsächlich sichtbar wird. Die Absicht bleibt im Kopf des Urhebers. Beurteilen können wir nur das, was im Bild konkret zu sehen ist und wie es typischerweise wirkt.
Und ja, unterschiedliche Menschen nehmen Bilder unterschiedlich wahr. Das wird immer so sein. Aber es gibt dennoch wiederkehrende Muster. Wenn ein Bild seine Wirkung fast ausschließlich aus der unmittelbaren Präsentation von Körperlichkeit bezieht oder eine Person primär über körperliche Merkmale definiert wird, dann lässt sich das beschreiben – unabhängig vom persönlichen Geschmack. Das ist keine Willkür, sondern der Versuch, nachvollziehbare Kriterien anzuwenden.
Vielleicht ist an dieser Stelle auch ein Blick zurück hilfreich: Der Aktbereich wurde vor über zwanzig Jahren geschaffen. Viele, die ihn geprägt haben oder bis heute aktiv sind, bringen eine fotografische Sozialisation mit, die noch deutlich weiter zurückreicht. Wer um das Jahr 2000 bereits intensiv mit Akt gearbeitet hat, wurde in den 80er- oder 90er-Jahren geprägt – in einer Zeit mit anderen ästhetischen Leitbildern, anderen medialen Rahmenbedingungen und anderen gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten.
Diese Prägungen sind nichts Negatives. Sie haben den Aktbereich aufgebaut und über viele Jahre getragen. Gleichzeitig hat sich seitdem viel verändert – gesellschaftlich, medial und auch im Blick auf Körper, Rollenbilder und Darstellung. Themen wie Nähe, Distanz, Blickrichtung oder Objektivierung werden heute anders reflektiert als noch vor drei oder vier Jahrzehnten.
Wenn wir heute Regeln anpassen, dann nicht, weil das Frühere falsch war. Sondern weil sich der Kontext verändert hat. Eine Plattform, die langfristig bestehen will, muss diese Entwicklung reflektieren. Sonst bleibt sie in einer Sichtweise stehen, die nicht mehr für alle anschlussfähig ist.
Dass sich dadurch der Rahmen verschiebt, kann sich wie ein Eingriff anfühlen. Das verstehen wir. Gleichzeitig ist jede Plattform ein gestalteter Raum. Wir definieren, wofür dieser Raum steht. Das ist keine politische Freiheitsfrage, sondern eine redaktionelle Entscheidung über die inhaltliche Ausrichtung. Niemand wird daran gehindert, Bilder zu machen oder anderswo zu veröffentlichen. Wir legen lediglich fest, was im Aktbereich der fotocommunity künftig im Zentrum stehen soll.
Uns geht es nicht um Verbote um ihrer selbst willen. Uns geht es um Klarheit, um Konsistenz – und darum, den Aktbereich so weiterzuentwickeln, dass er auch in Zukunft Bestand haben kann.
Wir wissen, dass nicht alle diesen Weg gutheißen werden. Aber wir gehen ihn bewusst und nach sorgfältiger Abwägung.
Ich kann mir vorstellen, was Ihr bewirken wollt, kann es aber anhand Eurer Veröffentlichung nicht nachvollziehen.
Allein die Kurzfassung Eures Vorhabens ist dermaßen daneben, dass ich am liebsten auf das Weiterlesen verzichtet hätte, um statt dessen eine Kündigung meines Accounts vorzunehmen. „Maßgeblich für die Bewertung ist dabei die Bildwirkung, nicht die beabsichtigte Aussage.“ – Zeige das Foto 100 verschiedenen Menschen, dann erhältst Du 100 verschiedene Aussagen über die Bildwirkung. Subjektiver geht es nicht, wird es einen Gott geben, der je nach dem wie er gerade drauf ist, die Entscheidung trifft? „… den Aktbereich deutlicher von rein darstellerischen oder erotischen Inhalten abzugrenzen … “ – Bei meinen Fotos verzichte ich weitgehend auf eine Inszenierung, die Protagonistin stellt sich auf den Bildern dar, dass wird in Zukunft bemängelt? Was ist erotisch? Für mich ist Erotik ist das, was passiert, bevor etwas passiert – und manchmal genau deshalb stärker wirkt als alles, was folgt. D.h. auch Bilder die nicht in den Aktbereich müssen können erotisch sein. Auch das wollt ihr nicht mehr zulassen?
„… und einen respektvollen Umgang in Bild und Kommentar zu fördern.“ – Wollt Ihr die Bilder löschen, zu denen es dämliche Kommentare dazu gibt?
„Künftig möchten wir den Fokus deutlicher auf Fotos legen, die … getragen von fotografischer Gestaltung (sind). Licht, Posing, Linien, Komposition und Präsenz stehen für uns dabei im Vordergrund.“ -Das bedeutet für mich, wenn
– das Licht nicht optimal ist, weil ich nur natürliches Licht nutze,
– ich keinen Wert auf Posen lege, sondern das Model immer machen lasse,
– ich statt Linien lieber Kurven in der Aktfotografie sehen,
– ich keinen Wert auf Komposition lege, sondern die Natürlichkeit der Situation einfange
– ich Präsenz als das Gegenteil von dekorativem Körper, leerer Pose, „hübsch, aber egal“ betrachte, müssten 95% aller Aktfotos gelöscht werden.
„Nacktheit ist selbstverständlich weiterhin möglich, … (als) Teil einer bewussten Bildaussage.“ – Was ist mit den Fotos, denen ich bewusst eine Bildaussage zuschreibe, es aber keiner versteht? Oder wenn ich mir keine Gedanken über eine Bildaussage machen möchte, was ich bei meinen Fotos noch nie gemacht habe? „Mit dieser Anpassung möchten wir den Aktbereich klarer positionieren und eine verlässliche Grundlage schaffen – für uns als Community ebenso wie für Fotografen, Modelle und Betrachter.“ – Für meine Begriffe zeigt Eurer Artikel nicht nur eine neue Prüderie, sondern auch noch eine „wenn mir das Bild nicht gefällt oder ich es nicht verstehe wird es gelöscht“-Mentalität. Es kann sein, dass alles nicht so heiß gegessen wird, wie ich es lese. Was aber in jedem Fall passiert ist, wenn eines meiner Fotos in Zukunft gelöscht werden sollte, dann bin ich ganz weg mit meinem Account.
Sorry für die deutlichen Worte, aber ich vermute, dass Ihr nicht nur mich sehr verunsichert habt.
Hallo Bernhard,
danke für Deinen offenen Kommentar. Wir merken sehr deutlich, dass der Text bei Dir Irritation und auch Sorge auslöst – und genau diese Reaktionen nehmen wir ernst. Die Anpassung der Richtlinien ist kein kleiner Schritt, und uns ist bewusst, dass sie bei vielen Fragen aufwirft, gerade bei Menschen, die sich seit Jahren intensiv mit Aktfotografie beschäftigen.
Wenn wir von Bildwirkung sprechen, meinen wir damit ausdrücklich keinen persönlichen Geschmack und auch kein spontanes Urteil einzelner Personen. Uns geht es um das, was ein Bild unabhängig von Erklärung oder Absicht nach außen trägt. Dass Bilder unterschiedlich gelesen werden, ist uns sehr bewusst – gerade deshalb versuchen wir, uns nicht an individuellen Deutungen festzuhalten, sondern an wiederkehrenden Wirkungsmustern, die sich aus Darstellung, Nähe, Zurückhaltung oder Präsentation ergeben.
Auch der Hinweis auf fotografische Gestaltung ist nicht als Forderung nach Perfektion gemeint. Natürliches Licht, offene Situationen, das Zulassen dessen, was ein Mensch selbst mitbringt, gehören für uns weiterhin zur Aktfotografie. Es geht nicht um Regeln für Stil oder Technik. Es geht darum, ob ein Bild mehr trägt als das bloße Zeigen von Nacktheit, ob es einen Raum öffnet oder sich im Dargestellten erschöpft.
Erotische Wirkung oder Sinnlichkeit schließen wir damit nicht aus. Uns geht es nicht darum, Erotik zu verbieten. Was wir klarer trennen möchten, sind Bilder, deren Wirkung sich ausschließlich aus der direkten Darstellung des Körpers speist, ohne Einordnung, ohne Zurücknahme, ohne Beziehung zum Bildkontext.
Der Hinweis auf respektvolle Kommentare richtet sich dabei nicht gegen Bilder, sondern gegen den Umgang miteinander. Bilder werden nicht wegen einzelner Kommentare gelöscht. Uns geht es darum, dass Menschen und Körper nicht herabwürdigend oder distanzlos besprochen werden.
Uns ist wichtig zu sagen: Es geht nicht um eine neue Prüderie und nicht darum, Bilder zu entfernen, weil sie jemandem nicht gefallen oder weil sie „nicht verstanden“ werden. Der Aktbereich ist vor vielen Jahren entstanden, in einer anderen Zeit und mit anderen Selbstverständlichkeiten. Die jetzige Anpassung ist der Versuch, ihn heute neu zu verorten und tragfähig zu halten – auch für unterschiedliche Sichtweisen und Generationen.
Wir wissen, dass sich vieles erst im konkreten Umgang zeigen wird und nicht jede Sorge sofort verschwindet. Genau deshalb führen wir diese Diskussion offen. Danke, dass Du Deine Gedanken so klar formuliert hast.
„Es geht nicht um eine neue Prüderie und nicht darum, Bilder zu entfernen, weil sie jemandem nicht gefallen oder weil sie „nicht verstanden“ werden. Der Aktbereich ist vor vielen Jahren entstanden, in einer anderen Zeit und mit anderen Selbstverständlichkeiten.“
Ich verstehe das als eine andere Art zu sagen, dass moderne, prüde Empfindlichkeiten berücksichtigt werden müssen. Wenn ihr einfach nur die Mittel haben wollt, um pornografische und respektlose Inhalte zu unterbinden, warum sagt ihr das dann nicht einfach und belässt es dabei?
Hallo Luuk,
ich verstehe, warum das so gelesen werden kann. Wenn man von „anderer Zeit“ und „anderen Selbstverständlichkeiten“ spricht, liegt der Verdacht nahe, dass hier einfach neue Empfindlichkeiten bedient werden. Genau das ist aber nicht der Kern.
Es geht nicht darum, moderner Prüderie (was ist das überhaupt) nachzugeben oder Geschmack zu regulieren. Pornografische Inhalte und klar respektlose Darstellungen waren auch vorher nicht erlaubt – dafür hätten wir keine neuen Leitlinien gebraucht. Das hätten wir schlicht so sagen und dabei belassen können.
Der Punkt ist ein anderer: Der Aktbereich ist vor über zwanzig Jahren entstanden. Viele, die ihn geprägt haben, sind mit ihm gewachsen. Gleichzeitig haben sich gesellschaftliche Diskussionen über Darstellung, Rollenbilder, Nähe, Distanz und öffentliche Präsentation von Körpern weiterentwickelt. Nicht im Sinne von „prüder“, sondern im Sinne von sensibler und differenzierter.
Wir mussten uns daher die Frage stellen: Wofür soll der Aktbereich heute stehen? Und wo ziehen wir eine klare Linie zwischen fotografischer Auseinandersetzung und reiner Zur-Schau-Stellung? Diese Klärung ist kein moralischer Reflex, sondern eine redaktionelle Entscheidung über die inhaltliche Ausrichtung der Plattform – schließlich sind wir eine FOTOcommunity 😉
Wenn es nur um Pornografie ginge, wäre die Sache einfach. Die schwierigeren Fälle liegen dazwischen – im Bereich von Wirkung, Präsentation und Kontext. Genau dafür brauchen wir einen klar benannten Rahmen. Nicht, um Freiheit pauschal zu beschneiden, sondern um nachvollziehbar entscheiden zu können, wo wir eingreifen und wo nicht.
Beste Grüße
Lars
„Für meine Begriffe zeigt Eurer Artikel nicht nur eine neue Prüderie, sondern auch noch eine „wenn mir das Bild nicht gefällt oder ich es nicht verstehe wird es gelöscht“-Mentalität. Es kann sein, dass alles nicht so heiß gegessen wird, wie ich es lese. Was aber in jedem Fall passiert ist, wenn eines meiner Fotos in Zukunft gelöscht werden sollte, dann bin ich ganz weg mit meinem Account.
Sorry für die deutlichen Worte, aber ich vermute, dass Ihr nicht nur mich sehr verunsichert habt. “
Des Nagels Kopf.
Ich stimme dem zu – ich empfinde das ganz genau so.
Und wie die langjährige Beobachtung zeigt, ist die Einschätzung gar nicht so falsch.
Du sprichst mir aus der Seele!!